Besinnung auf Willy Brandts Worte
Florian Pronold als Hauptredner auf dem Parteitag der MittelfrankenSPD.
Bericht von Stephan Sohr vom 19.07.2004, Nürnberger Zeitung.
Manch einer der Delegierten beim Bezirksparteitag der mittelfränkischen SPD im Nürnberger Karl-Bröger-Zentrum mag sich vorgekommen sein wie beim Fasching. Da steigt mit Florian Pronold einer in die Bütt, der launig und belustigend zu reden weiß, immer gut für ein zündendes Bonmot und einem deftigen Kalauer nicht abgeneigt. Zu den Lieblingsopfern des Niederbayern, noch nicht lange stellvertretender SPD-Landesvorsitzender, zählt dabei regelmäßig sein konservativer Antipode Markus Söder, und so bekam der CSU-General auch diesmal sein Fett weg.
Lieblingsfeind Söder
Beispiel gefällig? Gemünzt auf Söders Idee, „schlechten“ Eltern das Kindergeld oder die Sozialhilfe zu kürzen, folgert Pronold: „Dann müssten Söders Eltern das Kindergeld für 27 Jahre zurückzahlen.“ Noch ein Beispiel: Den Brillenhersteller Rodenstock erklärt er zu seinem Feindbild, weil er erst alle Subventionen mitgenommen habe und nun Hunderte Arbeitsplätze nach Ost-Europa verlagert. Von der CSU sei dazu nichts zu hören, und so bezeichnet Pronold die 1,7 Millionen Euro, die Rodenstock in den letzten drei Jahren an die CSU gespendet habe, als „Schweigegeld für Stoiber“ und empfiehlt: Keine Rodenstock-Brillen mehr kaufen.
Reiner Selbstzweck sind solche rhetorischen Übungen für Pronold nicht. „Wir müssen die Dinge zuspitzen“, empfiehlt er seinen Genossen, nicht weinerlich die Überlegenheit der CSU beklagen und mit einem Bauchladen mehr oder weniger spannender Themen durch die Lande ziehen, sondern anhand weniger Schwerpunkte in deutlichen Worten die Unterschiede zwischen der SPD und den Konservativen klarmachen: Kommen „die anderen“ erst an die Macht, verliert die Republik ihr noch immer soziales Gesicht, lautet Pronolds Botschaft.
Der Applaus für den Niederbayern mit dem Harry-Potter-Kopf lässt darauf schließen, dass sich die mittelfränkische SPD mit seiner Wahl zu Ludwig Stieglers Stellvertreter abgefunden hat. Aus dem Bezirksverband von Christa Naaß – die Landtagsabgeordnete aus Haundorf wurde mit 94,4 Prozent als Vorsitzende bestätigt, Elisabeth Gierlings (Nürnberger Land), Amely Weiß (Nürnberg), Michael Bischoff (Fürth-Land) und Christofer Zwanzig (Erlangen) wurden zu ihren Stellvertretern gewählt – kamen etliche kritische Stimmen, denn der Landesverband wird nunmehr von Bundespolitikern geführt.
Beruhigte Gemüter
Der im September in den Landtag gewählte Thomas Beyer (Henfenfeld) war sogar als potenzieller Gegenkandidat im Gespräch. Doch die Gemüter haben sich beruhigt und so mahnt auch Christa Naaß wieder zu Geschlossenheit und rät mit Willy Brandts Worten: „Besinnen wir uns auf unsere eigene Kraft.“
Sie verspricht, ihren mittelfränkischen CSU-Kollegen im Landtag scharf auf die Finger zu schauen, ob diese sich auch genügend für die Region einsetzen, zum Beispiel beim Thema Metropolregion. Hoffentlich haben die Delegierten die Mahnungen ihrer Vorsitzenden auch verstanden, denn der Drang zu Diskussionen war stärker als die Disziplin zum Zuhören.