Verbissen in Mutters Kartoffelsalat

Bericht von Christian Deutschländer vom 19.07.2004, Münchner Merkur.
München – Neulich flatterte eine dringliche SPD-Pressemitteilung in die Redaktionen: SPD-Landeschef Ludwig Stiegler habe soeben auswärts zu Mittag gegessen, und zwar „den besten Münchner Kartoffelsalat“, „frisch und wie bei Muttern“. Bayerns Journalisten reagierten ratlos. Trotzdem steckt eine Frohbotschaft in dem ansonsten sinnfreien Schrieb: Die Bayern-SPD verbeißt sich jetzt wieder in Kartoffelsalat, statt ineinander.
Es ist 100 Tage her, dass der Parteitag in Fürth eine höchst umstrittene neue Spitze bestimmte. Stiegler wurde regulär Chef, Florian Pronold sein Vize. Beide gelten als Parteilinke, sind Bundespolitiker und wollen keinen Generalsekretär mehr benennen – all das nervte vor allem die Landtagsfraktion. Kampfkandidaturen, Überrumpelungen, gar eine Rebellion wurden erwogen.
Inzwischen hat sich viel Kritik gelegt – trotz desaströser 15 Prozent bei der Europawahl. „Nicht fröhlich, aber gelassen und voller Tatendrang“ macht Stiegler seine Arbeit. Der Berliner Muntermacher mit dem roten Pullunder wurde eher selten in München gesichtet, fiel aber auch nicht unangenehm auf. Der befürchtete Linksruck, sagen selbst Kritiker, sei bisher ausgeblieben. Die schlechte Zusammenarbeit zwischen Landtagsfraktion und Parteispitze in München mit der Landesgruppe in Berlin wird allmählich besser. Beim Ringen um Bayerns Interessen im Bundesverkehrswegeplan etwa sollen heftig die Fetzen geflogen sein, am Ende aber waren Landes- und Bundesgenossen recht zufrieden.
Stiegler (60) wollte die Partei wieder aufrichten und angriffsfähig machen. Das Europa-Resultat war eher niederschmetternd. Die Abteilung Angriff jedoch funktioniert. Da erledige Pronold „seine Sache gut“, bemerkt einer, der ihn nicht wählte. Vor allem CSU-Generalsekretär Söder hat in Pronold einen verbal ebenbürtigen Gegenspieler. „Da gehen einem die Beleidigungen aus“, stöhnt Pronold zwar über die immer neuen Vorstöße des CSU-Generals, kontert aber dann doch meist originell. „Meine drei Botschaften: Attacke, Attacke, Attacke“, sagt der 31-jährige Genosse und hat noch Spaß dabei: „Ich erledige den größten Teil der Aufgaben eines Generalsekretärs mit.“
In der Partei wird das anerkannt. Die kontroverse Debatte um die Wiederbesetzung des General-Postens ist deshalb verstummt _ allerdings nicht für immer. Kritiker raunen, das werde sicher bald wieder ein Thema. Pronold mache ja viel, sagt einer, „aber es dürfte auch immer ein bisschen mehr sein“. Ein Nachschlag sozusagen – wie beim Kartoffelsalat.