Florian Pronold weit vor Max Straubinger
Bei einer Bewertung von Homepages der Bundestagsabgeordneten landete Florian Pronold im vorderen Drittel, Max Straubinger weit hinten.
Bericht von Gerd Kreibich vom 12.10.2004, Wochenblatt Rottal-Inn.
Laptop und Lederhose: was Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber immer wieder propagiert, scheint, zumindest was den Laptop anbelangt, bei der Bundestagsabgeordneten der Region noch nicht viel gefruchtet zu haben. Denn bei der alljährlichen Bewertung des Internetauftritts der Bundestagsabgeordneten, der ja auch ein Teil der Bürgernähe sein sollte, schnitten die ostbayerischen Mandatsträger nicht eben hervorragend ab. Zumindest für Florian Pronold von der SPD hat das Testergebnis eine erfreuliche Seite: er liegt diesmal, im Gegensatz zur Anzahl der Wählerstimmen, weit vor seinem CSU-Kollegen Max Straubinger.
Positive Ausnahme in Ostbayern ist Pronold
Einmal im Jahr beschäftigt sich der von ZDF mitgetragene Informationsdienst politikerscreen.de mit den Auftritt der gewählten Politiker im world wide web. Denn von „ganz oben“ wird ja immer wieder betont, wie wichtig der richtige Umgang mit dem nicht mehr ganz so neuen Medium ist. Wenn es allerdings um die eigenen Websites geht, dann halten die meisten Politiker einem selbst geringen Qualitätsanspruch nicht mehr stand. Eine zwar noch nicht ganz rühmliche, aber doch im Ostbayernvergleich sehr positive Ausnahme, bildet da der SPD-Youngster Florian Pronold: Von 569 MdBs, die eine Website ins Netz stellen, belegte er den Rang 97. Bewertet wurde nach dem Schulnoten-Prinzip, und hier konnte Pronolds Site bei der Informationsvielfalt punkten (Note 2,0). Nutzwert und Aktualität dagegen lagen mit Note 3 eher im Mittelfeld, für die Gestaltung gab es immerhin noch ein „2,5“.
Straubinger nur auf Platz 456
Ganz anders sieht es da bei Max Straubinger aus. Der altgediente CSU-Mann hat es nur auf Rang 456 geschafft. Aktualität Note 4, Gestaltung Note 4, Nutzwert Note 4 – einzig die Bewertung des Informationswertes mit einer 3 hebt Straubinger noch auf einen Durchschnittswert von 3,6. Aber das die Solidarität in der CSU noch etwas gilt, lässt sich doch am Ergebnis von Straubingers Kollegen Matthäus Strebl ablesen: er teilt sich den Rang 456 mit Max Straubinger, und übrigens hat es auch der Münchner Peter Gauweiler nicht weiter nach oben gebracht. Ein bisserl besser sieht es da bei der FDP aus: der Passauer Max Stadler, einsamer Kämpfer für die Liberalen in Niederbayern, schafft es immerhin mit einem Schnitt von 3,3 noch auf Rang 287.
Beste Durchschnittsnote für die Grünen
Und wie sieht das Gesamtergebnis für unsere Politiker aus? Obwohl Bündnis 90/Die Grünen nicht in den Top Ten vertreten sind, kommen sie auf die beste Durchschnittsnote der Parteien (2,9) und liegen damit knapp vor der FDP (3,0), Das Schlusslicht bildet die CSU, deren Abgeordnete im Schnitt eine 3,3 erreichen. In der Frage der Internet-Quote führt die FDP vor der CDU. Insgesamt sind 569 der 601 Bundestagsabgeordneten mit einem eigenen Angebot online. Das entspricht einer Quote von knapp 95 Prozent und einer Steigerung von drei Prozentpunkten gegenüber 2003. Zu den 32 Abgeordneten, die bislang auf eine eigene Webseite verzichten, gehören der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering und der ehemalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU). Während früher die Abgeordneten nach und nach online gingen, belegt der diesjährige Test zum ersten Mal auch eine umgekehrte Entwicklung. Parlamentarier, die in der Vergangenheit schon eine eigene Webseite betrieben, haben diese abgeschaltet und leiten den Nutzer von der alten Adresse auf Webseiten der Partei oder des Bundestages weiter. Das ist etwa bei Bundesaußenminister Joschka Fischer (und dem früheren Verkehrsminister Kurt Bodewig der Fall.
Siegerin SPD Fraktions-Vize
Die Qualität der Online-Angebote hängt wieder stärker als 2003 vom Alter der Abgeordneten ab. Die durchschnittliche Gesamtnote ist bei den 20- bis 29Jährigen mit 2,8 am besten und wird dann kontinuierlich schlechter. Unter den 60- bis 69-Jährigen liegt die Durchschnittsnote nur noch bei 3,3. Die Parlamentarier von Bündnis 90/Die Grünen und FDP vernachlässigten in der Regel den Wahlkreis und die betreuten Regionen. Bei der SPD fanden sich zwar meistens Aussagen und Argumentationshilfen zu Hartz IV. Grundlegende Standpunkte zu wichtigen Themen fehlten dagegen ähnlich häufig wie eine Dokumentation der parlamentarischen Arbeit in Form von Initiativen, Fragen und Anträgen. Ähnliches galt für die Abgeordneten der Union. Ober die Parteigrenzen hinweg hat sich eine Erläuterung des eigenen Arbeitsalltags zum Standard entwickelt. Nur eine Minderheit der Abgeordneten macht dagegen Diäten und andere finanzielle Leistungen transparent – dabei wäre doch gerade das einen Ausflug ins Internet wert… Gewonnen hat den Web-Test übrigens Nicolette Kressl, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion. Sie erhielt mit einer Gesamtnote von 1, 1 als einzige der 569 untersuchten Homepages das Prädikat „sehr gut‘. Auf dem zweiten Platz folgt Birgit Homburger (FDP) vor Ulrich Kelber (SPD) und Claudia Nolte (CDU), Insgesamt vergab die Jury 95 Mal das Testurteil „gut“. Die Durchschnittsnote aller Seiten im Test lag bei 3,1 und war damit trotz gestiegener Anforderungen besser als beim politikerscreen.de-Webtest 2003.