Steuergerechtigkeit statt Abgeltungssteuer

Beitrag für die Handwerkszeitung.

Unser Steuersystem verfolgt auch das Ziel der sozialen Gerechtigkeit: Wer mehr verdient, zahlt mehr Steuern. Alle Einkünfte, egal aus welcher Quelle, werden gleich behandelt. Die Abgeltungssteuer bricht mit diesem Prinzip: Für Kapitaleinkünfte soll dann jeder den gleichen Steuersatz zahlen. Ein lediger Gutverdiener mit einem Gesamteinkommen von über 52.000 Euro würde damit auf seine Kapitaleinkünfte, statt heute 42 Prozent nur noch 30 oder sogar nur 25 Prozent Steuern zahlen. Dieses Steuergeschenk für Spitzenverdiener kostet etwa 3 Milliarden Euro jährlich. Ein bisher steuerfreier Rentner oder kleiner Handwerker muss dagegen eventuell mehr Steuern zahlen. Einkommen ohne eigene Leistung werden mit der Abgeltungssteuer besser gestellt als Einkommen, die – wie Arbeitslöhne oder Unternehmereinkommen – auf Leistung beruhen.

Wer behauptet, die Abgeltungssteuer sei einfacher und unbürokratischer, streut den Menschen Sand in die Augen: Wirklich einfacher wäre es nur, wenn gleichzeitig der Sparerfreibetrag abgeschafft würde. Der Kleinsparer würde dann aber ab dem ersten Cent Zinsen Steuern zahlen und damit die Steuergeschenke an die Superreichen finanzieren. Auch die Kontrollinstrumente gegen Steuerhinterziehung werden durch die Abgeltungssteuer nicht überflüssig, die Abfragemöglichkeit von Kontostammdaten wird zum Beispiel weiterhin zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung gebraucht