„Die SPD soll wieder Spaß machen“

Florian Pronold schwört die Genossen bei Besuch in Sand auf die neue Parteilinie ein.

Wir machen es besser! Die SPD in Bayern will neue Wege gehen. Deswegen ist die Führungsriege der Partei in diesen Wochen im ganzen Freistaat unterwegs, um den Genossen und Genossinnen das neue Konzept, mit dem die Sozialdemokraten wieder an bessere Zeiten anknüpfen wollen, vorzustellen. In Sand wies am Samstag der bayerischen Landesvorsitzende Florian Pronold den SPD-Mitgliedern aus den Landkreisen Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld den Weg in eine erfolgreiche Zukunft.

„Die SPD soll wieder Spaß machen.“ Auch wenn Florian Pronold einst mit Kabarettist Django Asül in die Bankenlehre ging und von Stimmlage, -färbung und Gestik ein wenig wie die politische Ausgabe von Comedian Michael Mittermeier wirkt, steckt in dem Kernsatz seiner Ausführungen, die er am Samstag in Sand vor Genossen und Genossinnen aus den Landkreisen Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld machte, eine gehörige Portion Ernst. Der Landesvorsitzende der bayerischen Sozialdemokraten ist angetreten, um seinen Farben das Selbstvertrauen zurückzugeben.

Die Zeiten, in denen sich Parteimitglieder ihrer Meinung schämten und sie lieber für sich behielten sollen endlich vorbei sein. „Wir müssen die Dinge, die wir hinkriegen viel besser rausstellen“, machte Florian Pronold klar. Zwar habe seine Partei auch nicht für alle Bereiche ein Patentrezept – als Paradebeispiel nannte er die Rente, an der sich alle politischen Gruppen, die Zähne ausbeißen – aber eines sei sicher. „Es gibt keine Partei, die mehr Gerechtigkeit schafft.“
Allerdings habe man es in der Vergangenheit massiv versäumt, die eigenen Leistungen offensiv darzustellen. Stattdessen wurde man in Sachen Mehrwertsteuer, Hartz IV oder Rente mit 67 zum Buhmann des Wahlvolks. „Bei vielen Leuten ist der Eindruck entstanden, dass man den Sozis nicht mehr trauen kann.“

Genau dieses verlorene Vertrauen müsse man sich nun zurückholen. Wie? „Indem wir die besseren Konzepte und die besseren Erklärungen vorlegen.“ Dass die SPD das kann, daran ließ Florian Pronold keinerlei Zweifel. „Wir haben gezeigt, dass wir besser mit Geld umgehen können“, meinte er mit Blick auf die Hilflosigkeit der gelb-schwarzen Bundesregierung gegenüber der Finanzkrise. Auch in der Gesundheitspolitik habe man mit der Bürgerversicherung einfach das bessere Konzept. „Wer sich das einmal durchrechnet, wird das auch erkennen.“

Das ist genau einer der Punkte, an denen der Landesvorsitzende ansetzen will. „Wir müssen die Themen für unsere Mitglieder und Mandatsträger besser aufbereiten.“ Nur dann könne das wieder funktionieren, was Florian Pronold „Mundfunk“ nennt. Über Diskussionen an Stamm- wie Ratstischen die Menschen zu überzeugen. „Es gibt viele, deren Herzen im sozial-demokratischen Takt schlagen.“ Um sie der Partei wieder näher zu bringen und stärker an sie zu binden, hat die Parteispitze schon im letzten Jahr die Mitglieder befragt. Mit Erfolg. Knapp 700 Vorschläge landeten allein in schriftlicher Form auf Florian Pronolds Schreibtisch. Von den vielen mündlichen Anregungen, die er und seine Kollegen aus Wahlkreiskonferenzen mitbrachten, ganz zu schweigen. Aus diesen vielen Ideen hat der Parteivorstand einen Zwölf-Punkte-Katalog („Wir machen es besser!“) entwickelt, der aufzeigt, wie die SPD und ihre Politik wieder besser an den Mann, sprich den Wähler und die Wählerin gebracht werden kann.

„Keine revolutionären Ideen“, wie der Landesvorsitzende verdeutlichte, aber Kleinigkeiten, die für eine bessere Kommunikation sorgen sollen. Die Liste reicht von einer professionelleren Pressearbeit über eine Service-Zentrale, die Argumentationshilfen für wichtige Themen liefern bis hin zur Umgestaltung der Geschäftsstellen in Bürgerbüros und einer besseren Nutzung des Internets. Ein Medium, dem nicht nur Florian Pronold eine immer größere Bedeutung zumisst. Die Lokalzeitung und mehr noch die Mund-zu-Mund-Propaganda werden zwar weiterhin eine wichtige Rolle spielen, aber wenn man in die Statistiken schaue und erkenne, dass über die Hälfte der neuen SPDler online Mitglied werden, dann sei klar, dass man das Internet besser nutzen müsse. Zum Beispiel, indem man mehr Videos auf den Websitzen platziert oder die Webmaster der Ortsvereine zu einer Konferenz bitte.
Gänzlich neue Wege möchte der Landesvorsitzende bei der Schulung von Mandatsträgern gehen. Ihm schwebt eine Online-Akademie vor, in der man, ähnlich einer Fernuniversität Politik bequem von zu Hause aus lernen kann. Ein wichtiger Punkt! Schließlich sieht ein weiterer Teil des Konzepts vor, mit starken Listen und aussichtsreichen Kandidaten in die Kommunalwahl 2014 zu ziehen. Die könnten für die Sozialdemokraten richtungsweisend werden. Der große Generationswechsel steht an. „Unser Mandatsträger sind im Schnitt 60 Jahre alt“, machte Florian Pronold klar, dass frisches Blut für die Roten ein Muss ist. Dass es mit dem neuen Konzept gefunden und geschult werden kann, davon ist der Landesvorsitzende überzeugt. Man sei schon auf einem guten Weg. „Im Kommunalen haben wir Erfolge“, meinte er auch mit Blick auf den Wahlsieg von Thomas Stadelmann in Zeil. Woran es liegt? Klarer Fall! „Im Kommunalen kommt es mehr auf die Personen an. Und wir haben nun mal die besseren Köpfe.“
Zuguterletzt gab es dann doch noch ein wenig echten Witz mit Django Asül. Mit ihm, so Florian Pronold mit einem Lächeln auf den Lippen, habe er in der gemeinsamen Sparkassen-Lehre eines gelernt. „Wer sicher Gewinn machen will, der muss in Aktien investieren, deren Kurs niedrig ist.“ Wenn das kein klares Plädoyer für die BayernSPD ist.