Praxistag in der Pflege

Florian Pronold während des Praxistages im Parkwohnstift Arnstorf Für Florian Pronold war am 2. März um 6 Uhr Schichtbeginn im Parkwohnstift Arnstorf. Die SPD-Bundestagsabgeordneten haben sich bundesweit einen „Praxistag“ verordnet, um zu erfahren, wo der Schuh drückt. Eine volle Schicht lang bis 14:30 Uhr begleitete er den Bereichsleiter Andreas Einhell bei seiner Arbeit in der stationären Altenpflege. „Am meisten hat mich beeindruckt, mit welcher Zuwendung zu wirklich schwer pflegebedürftigen Menschen die Beschäftigten ihren Dienst getan haben – trotz des hohen Zeitdrucks“, betont der SPD-Abgeordnete. „Das ist ein harter Job, der mehr Anerkennung in der Gesellschaft verdient.“
Das Parkwohnstift vereint Seniorenwohnstift, ambulanten Pflegedienst, Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe, Geburtshaus und Kinderkrippe in einem Mehrgenerationenhauses unter einem Dach. Neben den Gesprächen mit den Bewohnern widmete sich der Abgeordnete besonders den Bedürfnissen der Beschäftigten. „Ich habe früher als Referent bei ÖTV-Seminaren Personalräte ausgebildet, deshalb war für mich der Einblick in die Arbeitsabläufe und die Belastungen für die Beschäftigten besonders interessant.“ Die dünne Personaldecke sei belastend: Wenn Kolleginnen und Kollegen wegen Krankheit ausfallen, gehe es „auf die Knocken der anderen“.

Nach Schichtende wechselte der SPD-Abgeordnete von der Praxis in die Theorie: in der staatlich anerkannten Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe im Parkwohnstift stellte er sich den Fragen der Schülerinnen und Schüler. Im Anschluss besuchte Florian Pronold die Hausgemeinschaften, in denen je 8 Pflegebedürftige wie in einer Familie zusammen leben. Das Konzept sei lobenswert: „In den Pflege-Wohngemeinschaften wird menschenwürdiges Altern vorgelebt.“ Diese Form der Pflege biete mehr Selbständigkeit, stelle aber noch härtere Anforderungen an Pflegerinnen und Pfleger, da hier auch Hausarbeit anfalle.

Auch ein Gespräch mit dem Heimbeirat stand auf dem Programm. Nach dem gemütlichen Kaffeetrinken hatte der Abgeordnete auch eine neue Facebook-Freundin gewonnen: eine Heimbeirätin, die knapp 90 Jahre alt, geistig fit und aktiv ist.

Am Abend berichtete Florian Pronold bei einer sehr gut besuchten Podiumsdiskussion im Festsaal von seinem Praxistag. Rosa Döring, die Schulleiterin der Altenpflegeschule, die der Abgeordnete am Nachmittag besucht hatte, betonte: „Altenpflege ist ein schöner Beruf, es kommt was zurück“. Den Spruch: „Den Job könnte ich nicht machen“ höre sie leider viel zu oft, da viele denken, es gehe dabei nur um Hinternputzen und Waschen. Rosa Döring riet, ein Praktikum in einer Pflegeeinrichtung zu machen: „Dann denken Sie sicher anders über diesen Beruf.“ Auch AOK-Direktor Erwin Reiser warb um Fachkräfte in diesem „Zukunftsberuf“. Dem Abgeordneten gab er mit nach Berlin, dass neue Konzepte gefunden werden müssten, um das Solidaritätsprinzip in der Kranken- und Pflegeversicherung zu erhalten. Die Kosten dürften nicht weiter einseitig auf die Versicherten abgewälzt werden und es dürfe wegen der Finanzierung des Gesundheitswesens keinen „Krieg zwischen Alt und Jung“ geben, betonte Reiser. Der AOK-Direktor und Schulleiterin Döring waren sich einig, dass es nach dem Wegfall des Zivildienstes noch schwieriger sei, junge Männer für den Pflegeberuf zu begeistern. Andreas Einhell ist so ein Beispiel: auch er blieb nach dem Zivildienst im Parkwohnstift „kleben“ und hat sich bis zum Bereichsleiter hochgearbeitet.
Einhell lobte den Einsatz und die Ausdauer von Florian Pronold: „Ich war überrascht, dass er wirklich um 6 Uhr da war“. Sonst würden Politiker nur für ein Foto kurz vorbeischauen. Beim Praxistag habe er den Eindruck gewonnen, der SPD-Bundestagsabgeordnete habe ich ernsthaft für die Belange der Bewohner und Beschäftigten interessiert und könne auch einiges für seine politische Arbeit mitnehmen. Vor allem die Bürokratie, die ausführliche Dokumentation jedes Handgriffs, sei belastend für die Beschäftigten, so Einhell: „Wir brauchen Vereinfachungen, damit mehr Zeit für die Menschen bleibt“.

„Es war gut, dass ich eine ganze Schicht lang ohne Presse in der stationären Pflege war. So habe ich ungefiltert und ungeschönt echte Eindrücke von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Bewohnern bekommen“, berichtet Florian Pronold von seinem Tag in der Pflege. Die Erfahrungen aus dem Praxistag will Florian Pronold mitnehmen und künftig einmal im Jahr eine volle Schicht in einer sozialen Einrichtung absolvieren.